Ich scheine in einer anderen Welt zu leben als Du.
Von mir erwartet niemand Holzfällerhemd und Bierflasche in der Hand - ist mir jedenfalls noch nie angetragen worden.
Und es ist auch keineswegs so, dass mindestens die Eine in einer lesbischen Beziehung zwingend "maskulin" auftreten würde.
Und keiner meiner schwulen Bekannten/Freunde ist so, wie Du es beschreibst und was oft diskriminierend mit "Tucke" umschrieben wird.
Diese Klischees werden also keineswegs "permanent bestätigt" und genau deshalb ist "Lesbe" vielleicht in Deinem Kopf "immer" mit bestimmten Rollenbildern verknüpft - nicht aber in meinem.

Und selbst wenn es so wäre: Schwule und Lesben haben - genau wie Heterosexuelle - das Recht, sich zu kleiden und zu geben wie sie sich fühlen.
Wenn Andere ein Klischee draus machen und zu verallgemeinern anfangen (was DU hier auch tust), ist das nicht die "Schuld" der Schwulen und Lesben.

"Lesbe" ist für mich als frauenliebende Frau ein vollkommen neutraler Begriff - so wie "Stuhl", "Apfel" und "Schreibmaschine".
Er bezeichnet einfach nur mit einem allgemein bekannten Wort, dass eine Frau frauenliebend ist.
Nicht mehr und nicht weniger.

Und ebensowenig wie ich aufhören werde, einen Stuhl "Stuhl" zu nennen, nur weil manche Leute Stühle grundsätzlich unbequem finden, so wenig werde ich meine Homosexualität künftig anders als "lesbisch" nennen.
Völlig ohne Stolz (da bin ich einig mit Dir - ich habe mir meine Homosexualität ja nicht erarbeitet; sie ist keine "Leistung"), sondern einfach, weil es ein präziser Begriff ist.

Dass viele homosexuelle Frauen den Begriff "Lesbe" explizit positiv besetzen, ist für mich trotzdem nachvollziehbar - einfach deshalb, weil sie ihn sich nicht von homophoben Lästerern nehmen lassen wollen, die ihn genauso negativ besetzen wie Du es offenbar tust.
Und vielleicht sind sie auch weniger "stolz" auf ihr "Lesbisch-Sein" als darauf, sich zu trauen, das auch offen zu sagen/zu leben.

Das hat damit, Hetero- oder Bisexualität herabsetzen zu wollen, absolut nichts zu tun - diese Argumentation ist doch an den Haaren herbeigezogen...

Es gibt nun mal heterosexuelle Menschen, schwule, lesbische und bisexuelle Menschen, Transidente, Polygender usw.
Unterscheidende Begriffe dafür zu kennen und auch zu benutzen, muss überhaupt nicht wertend sein.

Ebenso wie ich sprachlich einen Stuhl von einem Sessel und von einer Bank und einem Sofa unterscheiden kann, ohne gleichzeitig behaupten zu müssen, dass irgendeines dieser Sitzmöbel schlechter als ein anderes sei.

goblin